Gemma Caexi-Club?

„Alleeh, Alleeh, Allee-allee-allee – Wir sind Bonsai! Und wir sind Mammut! Und wir sind eine Allee“, hallt es lautstark durchs Arboretum. Dienstag, der zweite August, zwei Reihen gleichermaßen verschwitzt- und verwirrter CaEx stehen sich tuschelnd und schmunzelnd gegenüber: es sind die Unterlager Bonsai und Mammut.  Mammut, das sind wir.

Nach ebendieser Unterlageröffnung marschieren wir, ein bunter Haufen aus Uniformen und Halstüchern, den oben genannten Ruf brüllend, zum Hauptplatz. Lagereröffnung, zusammengefasst: Moderator und -in in österreichischer Tracht, die Amstettener Guitar Group (wie wir sie vermissen!), die Mikl-Leitner (die eher weniger), Tausch der eigenen (blau-gelb) gegen die Lagerhalstücher (blau-orange), Lagersong („Pienahkaaarri, es ist die Stimme in dir“).

Abend wirds, die Sonne verzieht sich hinter Zeltwipfeln und Lagertoren, mit unseren brandneuen blau-orangen Halstüchern und mindestens soviel Vorfreude wie Schweiß auf unseren Gesichtern trotten wir zum neu erkorenen Heim – für die Caravelles das Diamond (ein richtig schmuckes Zelt, so neu wie unsre Halstücher), für die Explorer das gute alte Yukatan. Nach eineinhalb Tagen schwerem, mühsamen Aufbauen kriechen wir schließlich erschöpft in den Schlafsack.

Um am nächsten Morgen frisch und ausgeschlafen, oder so ähnlich, aus unseren Zelten zu kriechen und zu frühstücken. Jeden Tag Nuss-Nougat-Creme und maximal pigmentierte Weckerl gibts zwar nicht, dafür für jeden Ca und Ex ein druckfrisches Exemplar der PRINTAKARRI, allseits beliebte und mittlerweile durch grenzgeniale Schöpfungen wie Was ist das für 1 Lagerlife? legendäre Lagerzeitung des Pinakarri. Wir überfliegen das Horoskop (verlässlicher als Wikipedia, wirklich), die Wettervorhersage und – selbstverständlich – Pina cares, den Dr. Sommer des Lagermagazins. Dann ist auch schon zusammenpacken angesagt, Workshops stehen am Programm der Cäxis. Vormittags und nachmittags schmieden, spleißen, schnitzen oder schauspielen wir mit CaEx verschiedenster Nationalitäten und Unterlager. Abends gibts arboretisches Programm oder, alternativ dazu, Davids Gitarre, saure Würmer und das gute, alte Yukatan.

Vierter Lagertag ist Unternehmenstag. Hochmotiviert, höherverdreckt, höchstverschwitzt machen wir uns auf den Weg zu den jeweiligen Zielen unserer Ausflüge. Nein (die Patrulle ist gemeint) macht sich in aller Herrgottsfrühe auf zu ihrem Bus, drei Stunden fahren sie, um an ihr Ziel zu kommen: Eine abgelegene Schmiede im schönen Grün Niederösterreichs. Ausgezahlt hats sich, meint auch Mammuschi (oder Mammuschka oder weiß der Himmel wie sie jetzt heißt) – unser Unterlagermaskotchen, ein herzallerliebstes Mammut(plüschtier), das Nein auf ihrem Weg begleiten durfte. Die zweite Patrulle, l’explosion des étoiles genannt, besteigt währenddessen tapfer und unverzagt Mountainbikes, um à vélo unwahrscheinliche 42 Kilometer (ja, genau zweiundvierzig) hinter sich zu legen. Danach gehts noch ab ins Freibad, wo sich überhitzte Köpfe und Körper im kühlen Nass revitalisieren. Abends bietet das Arboretum wieder allerlei Aktivitäten an, doch die meisten von uns entscheiden sich – erneut – für gemütliches Beisammensitzen und Max‘ Witze. Schließlich unterhält nichts besser.

Es folgt ein Tag voll BROTIVATION und der power to know (by Toby ©), wir alle schließen neue Bekanntschaften, um abends wieder zu alten zurückzufinden. Das Pinakarri ist wunderschön, seine Teilnehmer sind es, Pfadfinder und Pfadfinderinnen aus aller Herren Länder. Doch es tut gut, nach Hause (roter Garten, Mammutbaum, Gruppe 6&7 Paxtu) zu kommen und von Jo und Sonia fürsorglich mit Ahorn-Dattel-Müsliriegeln versorgt zu werden, gemeinsam zu kochen (beziehungsweise am Rauch jedes Mal aufs Neue zu ersticken) und anschließend auf viel zu harten Rundlingen beim Abendessen den Tag Revue passieren zu lassen.

Der Samstag kommt, und mit ihm die stufenübergreifende Aktion Ökolopoly. GuSp, CaEx und RaRo jeder Nationalität werden neu zusammengewürfelt um Fragen zu beantworten, die, wenn auch nur im Entferntesten, mit unserem Zusammenleben mit der Umwelt zu tun haben (siehe Name des Spiels). Ein ganz netter Nachmittag, aber worauf wir alle tatsächlich warten, ist die Laute Nacht. Silent Disco im berühmt-berüchtigten Caexi-Club Pi, Livekonzert des pbh club auf der Hauptbühne, Karaoke bei den GuSp. Egal, wo sich wer in dieser Nacht befand, wir alle sind uns einig, dass sie wirklich außergewöhnlich schön war. Nach einigen Pepsis und mit schon heiseren Stimmen versammeln wir uns leicht erschöpft, aber kein bisschen müde, im Yukatan – Pflicht, Wahl, Wahrheit steht am Programm. Es reicht wohl, Leons Namen zu nennen, und alle Beteiligten wissen Bescheid.

Am Besuchersonntag überstellen wir auf die bösartigste Weise vier ahnungslose GuSp, was, das muss gesagt sein, überaus amüsant war. Aber auch dem Abend fieberten wir schon lange entgegen: Offene Töpfe! Endlich. Alles von grandiosen Mini Bosna (keine Schleichwerbung oder so), über Schlangensteak, bis Tarte Tatin ist vertreten. Glücklich und etwas zu vollgefressen legen wir uns diesen Abend schlafen.

Der darauffolgende Montag ist schwer zusammenzufassen, da wir ihn alle in verschiedenen Patrullen verbringen – Unterlagertag ist nämlich. Gemeinsam versammelt sind wir nur am abendlichen Bonsai-Mammut-Lagerfeuer – beziehungsweise sieht man sich bei der flirtlastigen Love Night in unserem heißgeliebten Pi.

Das Lager neigt sich dem Ende zu, nur noch ein Tag vorm Abbau, zwei Tage bis zum, so schön aus den Gedanken verdrängten, Abschied. Wie schnell die Zeit vergeht.

Dienstags sitzen die meisten von uns im Yukatan, ein paar Mutige trauen sich raus in den Regen zum großen CaEx-Spiel. Das Regenprasseln als Geräuschkulisse, versorgt mit Pringels und Müsliriegeln, kommen ein paar CaEx auf die Idee, die Werwölfe vom Düsterwald – aufgrund von Spielermangel, eigentlich – neu zu interpretieren. Das Spiel ist in den nächsten Tagen beinahe omnipräsent, neben unzähligen in-jokes und Erinnerungen wird dieser Zeitvertreib ein zeitloses Souvenir des Pinakarri bleiben.

Der letzte Tag naht, die Zelte werden verstaut, die Essstelle abgebaut. Unter Tränen verabschiedet man sich von den Klosterneuburgern, unserer Partnergruppe; und schlussendlich sitzen wir Donnerstagmittag im Gras und warten darauf, unsere Rucksäcke in den Transportwagen laden zu können. Wir wandern los. Schweren Herzens und mit Kloß im Hals (ebendieser wird nun von zwei Halstüchern geziert) machen wir uns auf nach Wien.

Diese zehn Tage wird niemand so schnell vergessen. Diese zehn Tage, voll Lachen, Schweiß und Pfadfinderei, werden an unseren Gedanken kleben bleiben wie Harz auf unseren Hosen, wie Gatsch an unseren Beinen, wie Asche in unseren Haaren. Und wenns uns in der Dunkelheit noch so oft aufgeprackt hat, weil wir über Zeltschnüre gestolpert sind: Wir sind doch immer wieder aufgestanden und haben die Toilette mutig weiter gesucht. Weil wir Pfadfinder sind. Weil es das wert ist. Weil wir CaEx die leiwandsten Leiterinnen überhaupt auf diesem Lager hatten, und weil wir selbst natürlich auch eine saunice Gruppe sind. Und wenn wir ans Pinakarri zurück denken werden, werden wir uns wehmütig lächelnd fragen: Was war das für 1 Lagerlife?

Text verfasst von Anna Str. – Caravelle aus Leidenschaft